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Einsam und Alleine

Aktualisiert: 8. Apr. 2019


 

Wenn ich alleine bin, bin ich dann auch einsam? Woher kommt Einsamkeit? Und was ist überhaupt der Unterschied zwischen einsam und alleine sein?

Wir leben in einer hochsozialen Gesellschaft mit extrem einfachen Zugängen zu sozialen Kontakten und Interaktionen. Und dennoch scheint das Gefühl der Einsamkeit so präsent wie nie zu sein. Warum?


Während alleine sein einen Zustand beschreibt, ist Einsamkeit ein Gefühl. Alleine sein ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Und es gibt zahlreiche Menschen, die liebend gerne eine Weile alleine und damit auch glücklich sind. Alleine sein lässt sich objektiv leicht bestimmen. Es ist lediglich die Abwesenheit von sozialen Kontakten.


Einsamkeit dagegen ist ein Gefühl. Ein subjektives Empfinden. Einsam bin ich, wenn ich mich einsam fühle. Und obwohl das ein höchst ungesundes Gefühl ist, ja beinahe schon tödlich, fühlen sich die meisten von Zeit zu Zeit mal einsam. Und dann schämen wir uns auch noch für dieses Gefühl und würden uns öffentlich nie als einsam bezeichnen. Es klingt, als habe man keine Freunde. Keine Gruppe, zu welcher man zugehören kann/will. Und das dann auch noch zugeben zu müssen, ist einfach nur unangenehm.


Das fast schon Unheimliche ist, dass sich jeder einsam fühlen kann


Dabei ist Einsamkeit kein Indiz dafür, dass ein Mangel an Freunden vorliegt. Es gibt Menschen mit zahlreichen Freunden und Bekannten, die dennoch einsam sind. Ich kann auch einsam sein, wenn ich gut mit Menschen kann. Das fast schon Unheimliche ist also, dass sich jeder einsam fühlen kann. Einsamkeit ist kein Gefühl gegen welches man Immun wird. Wobei ich nicht daran zweifle, dass es Menschen gibt, die niemals einsam sind.


Im Umkehrschluss heißt das allerdings auch, dass mich Dinge wie Ruhm, Reichtum, Schönheit oder Erfolg nicht vor der Einsamkeit schützen. Das bedeutet, dass jeder das Gefühl von Einsamkeit empfinden kann und kein Status dieser Welt kann uns garantieren es nicht zu werden.


Aber was macht man nun mit diesem sozialen Schmerz, der aus der Einsamkeit resultiert. Dieser Schmerz, der ein Resultat unserer Evolution ist. Ein Schmerz, welcher signalisieren soll, dass wir einen Mangel haben, welcher behoben werden muss.


Vielleicht sollten wir erstmal erkennen, woher dieser Schmerz überhaupt kommt. Pauschal lässt sich das natürlich nicht so leicht sagen. Dennoch leben wir in einer hochsozialen Welt und Kommunikation war noch nie so einfach wie heute. Und trotzdem ist das Gefühl von Einsamkeit so gegenwärtig wie noch nie.


Viel Zeit für Freunde und Kontakte bleibt nicht mehr


Einsamkeit resultiert aus vielen Dingen unseres Alltags. Wir sind durch unseren hektischen Alltag in einem riesigen Zeitmangel. Arbeit, Uni oder andere alltägliche Erledigungen nehmen einen großen Teil unserer Zeit ein. Viel Zeit für Freunde und soziale Kontakte bleibt dann nicht mehr.


Dazu kommt, dass wir dann die wenige Zeit oft nicht mal nutzen. Denn um unseren Mangel an Zeit dann irgendwo wieder wettzumachen, schlagen wir Freunden oder Bekannten gerne mal eine Einladung aus. Andersrum haben auch andere nicht immer Zeit für uns, wenn wir sie mal auf ein Getränk einladen wollen. Das führt dann zu einem Abwärtstrend, in welchem keiner mehr Zeit für den anderen findet. Ein sozialer Mangel entsteht.


Und die wenigen Treffen, welche man dann tatsächlich schafft einzuhalten, sind dann auch nicht mehr qualitativ hochwertig. Gespräche sind nicht mehr tiefgründig, man erkennt den anderen kaum wieder, weil sich soviel geändert hat oder der Zeitmangel holt einen einfach wieder ein.

Eventuell vertieft man sich in das Ganze und empfindet dann auch kein Bedürfnis mehr sich mit diesem oder jenen zu treffen.


...und steigern uns so noch tiefer in die Isolation


Und so komm es, dass wir uns im Büro oder in der Schule immer alleine irgendwo hinsetzen, wir nehmen Anrufe nicht an, weil wir keine Gespräche führen wollen und sind sonst auch nicht mehr motiviert uns unter Leute zu mischen und versuchen jegliche Interaktionen mit Menschen zu vermeiden.


Und dadurch landen wir früher oder später in einer Abwärtsspirale. Durch soziale Ablehnung werden wir einsam und isoliert. Wenn dann andere auf uns zukommen, reagieren wir kalt, unsozial und nicht empathisch. Wollen dann weitere soziale Interaktionen vermeiden und steigern uns so noch tiefer in die Isolation.


Was können wir dagegen machen?

Ich schreibe diesen Text nicht, weil ich ein Allerheilsmittel oder ähnliches besitze. Pauschal lässt sich das wohl auch nicht so einfach beantworten. Doch man kann ein Bewusstsein für dieses Gefühl entwickeln. Eine gewisse Akzeptanz, dass man sich hin und wieder mal einsam fühlt. Das heißt nicht, dass es einem gefallen muss oder man nichts daran ändern darf. Aber, dass man sich nicht dafür schämen muss oder es gar ignoriert.


Bringe den Mut auf darüber zu sprechen. Öffne dich anderen und verschließe dich nicht, weil Du vielleicht Angst hast enttäuscht zu werden. Lass deinen Stolz liegen, der dir sagt, du sollst diese Freundin oder diesen Freund nicht mehr treffen oder schreiben aufgrund irgendwelcher Erfahrungen oder Streits, die Jahre zurückliegen. Gib anderen die Chance Zeit mit dir zu verbringen. Versuche nicht jede Einladung auszuschlagen oder immer eine Ausrede zu finden, um ein Treffen abzusagen. Und überwinde dich auch gerne mal selbst andere zum Treffen einzuladen und warte nicht bis die perfekte Einladung kommt. Ergreife gerne Initiative.


Denn wir brauchen aneinander! Das heißt nicht nur, dass wir unsere Mitmenschen brauchen, sondern dass unsere Mitmenschen auch uns benötigen!

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