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Introvertiert in einer extrovertierten Welt

Aktualisiert: 20. März 2019


 

Morgenroutine erledigt und fertig gemacht. Auf zur Arbeit. Ich setz die Kopfhörer auf und bin sofort in meiner Welt. Ich steige in die hektische Bahn. Leute drängeln in der täglich überfüllten Bahn. Meckern sich gegenseitig an. Und die Nässe, die sie vom Regen draußen mit in die Bahn bringen, verschlimmert deren Laune nochmals drastisch.


Ich nehme nur visuelle Reize wahr. Ich sehe, wie das Baby im Kinderwagen vor mir nach seiner Flasche schreit oder wie die Frau vor mir bei jedem weiteren einsteigenden Gast böse ihre Miene verzieht, weil sie sich wünscht, diese Bahnfahrt würde nun endlich ein Ende nehmen.


Ich bin völlig in mich gekehrt…und ich mag das


Ich steige aus. Noch 5min Fußweg zur Arbeit. Anstatt beim Laufen aufs Handy zu gucken, geht mein Blick gen Himmel. Ich fühle den Regen auf mich einprasseln und die Musik in meinem Ohr lässt mich in dieser Situation in förmliche Trance verfallen. Menschen, Zeit und Ort sind mir in diesem Moment fremd. Ich bin völlig in mich gekehrt…und ich mag das.


Kopfhörer raus. Arbeitsalltag geht los. Paar zu beantwortende Mails, Meetings oder sonstiger Papierkram. Mein schnelles Leben nimmt nun Fahrt auf. Nach ein paar Stunden gönne ich mir jedoch eine Pause. Gehe raus frische Luft schnappen.


Kopfhörer rein, Musik an. Ich sitze alleine auf einer Bank und schaue parallel zum leicht melancholischen Klang in meinem Ohr, wie die Menschen ihrem Alltag nachkommen. Sie rennen von A nach B. Sind vom hektischen Alltag angetrieben und versuchen ihr Leben um sich herum stets auf die Reihe zu kriegen oder zu optimieren. Doch die Zeit, um sich mit sich selbst zu beschäftigen, haben sie komischerweise nie.


Manchmal denke ich, das ist nur eine Maske


Pause vorbei. Musik aus. Weiter geht’s. Auf der Arbeit bin ich gerne Ansprechpartner, wenn etwas ansteht. Auch sonst habe ich auf der Arbeit das Image eines extrovertierten Stimmungsmachers. Manchmal fühle ich mich auch so. Aber manchmal denke ich, das ist nur eine Maske. Eine Maske, die ich im Alltag öfters aufsetze. Keine Ahnung, ob bewusst oder unbewusst. Aber hinter der Maske verbirgt sich der ruhige kleine Junge, der einfach gerne mal für sich alleine ist.


Arbeit vorbei. Noch ein Abendessen mit alten Freunden. Und auch hier ziehe ich meine Maske auf. Rede den ganzen Abend von persönlichen Erlebnissen oder potentiellen Zukunftsträumen. Ich leite die Gespräche und deren Dynamik. Ich bin unterwegs in einer Menschenmasse, doch fühle mich innerlich isoliert. Die Maske hält…


Ich versuche mit meinem hektischen Leben Schritt zu halten


Aber tief im Inneren möchte ich einfach nur entspannen. In mich kehren und meiner Musik und dem Leben lauschen. Doch ich habe das Gefühl, dass das unangebracht ist. Also versuche ich mit meinem hektischen Leben Schritt zu halten. Versuche mich dem Tempo meines Umfelds anzupassen.


Zu Hause angekommen, habe ich das Gefühl endlich meine Maske fallen lassen zu können. Ich bin für mich. Ganz alleine. Und kann meinen reizüberfluteten Alltag für diesen Moment hinter mir lassen. Irgendwie paradox, aber ich fühl mich in meinem eigenen kleinen Kosmos des Alleineseins doch am lebendigsten. In diesem Kosmos, in dem Alleinesein zu meinem Lebenselixier wird.


Also setze ich die Maske ab, ziehe die Kopfhörer wieder auf, schließe die Augen und höre genussvoll der Musik zu, die den Klang der Stille repräsentiert. Und verliere mich daraufhin vollkommen in meiner Welt.

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